Ein Bad voller Entdeckungen: Sensorisches Spiel im Bohnenbad.
In einem Gruppenraum der städtischen Kita Schneckenhaus in Traunreut hört man es leise rascheln und klirren. Ruhig und konzentriert sitzen sechs Kinder gemeinsam im neuen Bohnenbad. Zwei Mädchen befühlen die Sojabohnen und versuchen, sie vorsichtig zu schälen. Langsam graben sie ihre Hände in die luftig-weichen Bohnen.
Daneben raschelt es leise. Andere Kinder befüllen mit Trichtern und Förmchen lange Papprohre und lassen die Bohnen unten wieder herausrieseln. Fröhlich beobachten sie die kleinen Haufen. Sie experimentieren mit Volumen und Geschwindigkeit. Ein Mädchen sinkt mit dem ganzen Körper in das Bett aus Bohnen ein, eine intensive Wahrnehmung des eigenen Körpers, die beruhigt und erdet.
„Es ist erstaunlich, wie ein anregendes Material die Kinder fesselt und wie jedes Kind sich den Bohnen anders nähert und damit umgeht“, erklärt Sabine Zorba, Leitung der Kita Schneckenhaus. „Das Bohnenbad schärft die sensorische Wahrnehmung und fördert die Feinmotorik. Gleichzeitig öffnet es auch soziale Erfahrungsräume. Auf kleinstem Raum entstehen unterschiedliche Bedürfnisse, die nebeneinander Platz finden. Ein Kind liegt entspannt im Granulat, daneben wird gebaut, geforscht oder experimentiert. Erstaunlicherweise funktioniert das Miteinander trotzdem sehr gut“, sagt die erfahrene Pädagogin.
Entstanden ist das Spielgerät in gemeinschaftlicher Arbeit: Gemeinsam mit den Kindern und dem Hausmeister wurde der Rahmen gezimmert, Ideen wurden gesammelt und umgesetzt. Auch die Eltern waren frühzeitig eingebunden, um mögliche Unverträglichkeiten abzuklären.
Die Entscheidung für die Sojabohnen fiel bewusst. Denn sie bieten eine Vielzahl an Sinneseindrücken und sind gleichzeitig robust, vielseitig einsetzbar und – als Futtermittel – auch wirtschaftlich tragbar. Dabei ist das Bohnenbad kein statisches Projekt. Die Kita versteht es als wandelbares Element im pädagogischen Alltag. Je nach Jahreszeit oder Interessenlage kann die Füllung variieren. So sind im Herbst auch Kastanien oder Zapfen denkbar. „Sollte das Interesse der Kinder aber nachlassen, überlegen wir im Team wieder etwas Neues, mit dem wir sie begeistern und fördern können“, erklärt Sabine Zorba. Ideen gibt es genug und manchmal braucht es auch nur ein paar tausend Bohnen.



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