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25 Jahre Praxisklasse an der Mittelschule Traunreut

31.07.2026

Erfolgsmodell für handwerklich und praktisch orientierte Jugendliche feiert Jubiläum

An der Werner-von Siemens-Mittelschule wurden am Freitag zum 25. Mal auch die Schülerinnen und Schüler der Praxisklasse in die Ferien beziehungsweise ins Berufsleben verabschiedet. Das freiwillige Angebot startete im Schuljahr 2000/01 und wird als ein- und zweijähriges Modell durchgeführt. Angesprochen sind Jugendliche im 8. oder 9. Schulbesuchsjahr, deren Stärken eher in der Praxis als im regulären Schulunterricht liegen. Im Schuljahr 2025/26 besuchten 15 Schülerinnen und Schüler die Praxisklasse, die bereits seit 2007 von Boris Mitterwieser betreut wird. Seit 2015 ist der Diplom-Sozialpädagoge fest bei der Stadt Traunreut angestellt, womit die jährlichen Ausschreibungen wegfallen, die zuvor nötig waren. Zusätzlich gefördert wird das Projekt vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) der Europäischen Union.

„Die erfolgreiche Arbeit in der Praxisklasse hat einen hohen Stellenwert für die Stadt Traunreut. Uns ist sehr wichtig, dieses Angebot zu unterstützen und Planungssicherheit zu geben, damit auch weiterhin alle Jugendlichen die Chance haben, in Traunreut ihren beruflichen Weg zu finden“, betont Erster Bürgermeister Hans-Peter Dangschat.

Im Unterschied zu den regulären Schulklassen, sind bei der Praxisklasse die Zeiten in Betrieben deutlich höher. Bis zu drei Monate des Schuljahrs verbringen die Jugendlichen im Praktikum, um im Idealfall direkt einen Ausbildungsplatz zu finden. Boris Mitterwieser begleitet die Praktika mit Besuchen vor Ort und engen Absprachen mit den Ausbildungsbetrieben. Der Unterricht von Klassleiterin Sarah Buttschardt konzentriert sich auf Grundlagen, die für die Berufsschule wichtig sind, wie Mathematik, Deutsch und allgemeinbildende Fächer. Nach einer gemeinsamen Startphase ist jeweils die Hälfte der Klasse im Unterricht in Traunreut, während die anderen ihr Praktikum absolvieren. Zu Beginn verbringen die Jugendlichen meist jede Woche in einem anderen Betrieb, außer es kristallisiert sich schon klar ein künftiger Arbeitgeber heraus. Das Ziel ist ganz klar, für alle Jugendlichen einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, egal welcher Beruf es am Ende wird.

„Es ist sehr wichtig, auch Angebote für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die mit dem regulären Unterricht nicht so gut zurechtkommen. Die vielen Erfolgsgeschichten der Absolventinnen und Absolventen zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert“, so Schulleiterin Sabine Röhr. Auch für die zukünftigen Arbeitgeber geht das Konzept auf. Sie lernen die Jugendlichen direkt in der Praxis kennen und werden nicht vorab von einem Zeugnis beeinflusst. „Ein ehemaliger Schüler hat inzwischen sogar seinen eigenen Betrieb in Traunreut gegründet“, erzählt Boris Mitterwieser. „Das ist natürlich eine besonders schöne Geschichte, aber uns freut jede einzelne Ausbildungsstelle, die wir gemeinsam mit den Jugendlichen für sie finden, und in der sie sich verwirklichen können“, so der Diplom-Sozialpädagoge weiter.

Für zwei Drittel der aktuellen Praxisklasse beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt. So haben sechs Jugendliche bereits Arbeitgeber in der Region gefunden, bei denen sie demnächst ihre berufliche Laufbahn starten. Die Ausbildungsberufe decken ein breites Feld ab – von der tiermedizinischen Fachangestellten über den Konstruktionsmechaniker und die Pflegefachhelferin bis zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Dazu kommen zwei schulische Ausbildungen an der staatlichen Berufsfachschule für Kinderpflege. Vier weitere Praxisklassen-Absolventen führt ihr Weg in ein Berufsvorbereitungsjahr, eine Berufsintegrationsklasse, ein Berufsgrundschuljahr für Zimmerer und eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Fünf Schülerinnen und Schüler setzen die Praxisklasse im zweijährigen Modell im kommenden Schuljahr fort.

Die Praxisklasse hat auch weit über die Stadt Traunreut hinaus Bedeutung. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Orten aus dem Landkreis Traunstein, zum Beispiel auch Obing und Tacherting an die Werner-von-Siemens-Mittelschule, um dieses Angebot zu nutzen.

Die Praxisklasse 2025/26 mit der Klassleiterin Sarah Buttschardt (links), dem Diplom-Sozialpädagogen Boris Mitterwieser (2.v.l.), Erstem Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (8.v.l.), Schulleiterin Sabine Röhr (2.v.r.) und Amtsleiter Claudio Beilhack (rechts)

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