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"Der Spatz - Die Automarke aus dem Traunreut der 50er Jahre" - Eröffnung der Fotoausstellung im Traunreuter Rathaus

Klein, frech und weit verbreitet: Der „Spatz“ von Traunreut
Ausstellung im Rathaus erinnert an das Industriedenkmal
Eröffnung der Fotoausstellung "Der Spatz - Die Automarke aus dem Traunreut der 50er Jahre"

Während die berühmte französische Chansonsängerin Edith Piaf in den 1950-er Jahren als „Spatz von Paris" weltweit Triumpfe feierte, avancierte auch im 800 Kilometer entfernten Traunreut ein „Spatz", zum Star. Klein, frech und weit verbreitet war der „Spatz", ein Roadster, der in Traunreut entwickelt und produziert wurde. Ein original roter Flitzer ist auch heute noch vor dem Museum Das Maximum auf dem früheren Werksgelände der Firma Alzmetall zu bestaunen. Mehr über das Industriedenkmal erzählt jetzt eine Ausstellung im Traunreuter Rathaus, die von Bürgermeister Klaus Ritter, der auch die Idee zu dieser Fotodokumentation hatte, im Beisein von geladenen Gästen und mit Musik eröffnet wurde.

 

Die Ausstellung „Der Spatz - Die Automarke aus dem Traunreut der 50-er Jahre" besteht aus insgesamt 19 Bildern und einer Informationstafel. Auf den Fotos, die von 1954 bis 1969 aufgenommen wurden, ist der Werdegang des Spatz´ dargestellt. Es sind insbesondere Bilder der ersten Entwürfe und der Prototypen bis hin zur Serienfertigung in den früheren Betriebshallen der Firma Alzmetall in Traunreut von 1954-1956 zu sehen. Besonderheiten sind insbesondere Bilder des Dreirades von 1954 sowie der Rennmodelle aus den späten 1960-er Jahren. Die Fotos stammen alle von Michael Reich (Gesellschafter der Alzmetall Werkzeugmaschinenfabrik und Gießerei Friedrich GmbH & Co. KG). Sie zeigen die Besonderheit des Spatz´ und auch den enormen Weitblick des Gründers Harald Friedrich. Schon damals wurden die Autos aus einem Kunststoff-Polyesterharz hergestellt und stellten einen neuen Weg in der Fertigung dar.

 

Mit dieser ersten Ausstellung im Rathaus, die Ritter auch den Schulen empfiehlt, verfolgt der Bürgermeister das Ziel, weitere unternehmerische Pionierleistungen oder auch andere herausragende Beispiele, die auf Initiative von Traunreuter Bürgern entstanden sind, auf allen drei Ebenen des Rathauses zu dokumentieren.

Die Fotoausstellung "SPATZ" wird derzeit im ersten Obergeschoss des Rathauses (Altbau) präsentiert.

 

Ritter bedankte sich insbesondere bei Michael Reich, der der Stadt die Fotodateien zur Verfügung gestellt hat. Die Stadt hat die Fotos dann von einem ortsansässigem Fotogeschäft entwickeln und auf Leinwandplatten aufziehen lassen. Reich seinerseits freute sich, dass die Stadt die Fotoausstellung eingerichtet hat.

 

Die Geschichte des Spatz´ sei ein besonders faszinierender Teil der Industriegeschichte Traunreuts, stellte der Gesellschafter der Werkzeugmaschinenfabrik heraus. Der Bau des Fahrzeuges verdeutliche anschaulich den Pioniergeist der Nachkriegsjahre und das Unternehmertum das maßgeblich die Geschicke der Stadt Traunreut in den letzten fast 75 Jahren geprägt habe. Die Spatz-Entwicklung und Produktion in Traunreut durch die Firma Harald Friedrich Traunreut und die von Harald Friedrich und die Victoria Werke Nürnberg gegründete Bayerische Autowerke GmbH umfasse den Zeitraum der Jahre 1955 bis Februar 1958. In dieser Zeit sei nicht nur in Stuttgart, München, Rüsselsheim und Wolfsburg Automobilgeschichte geschrieben worden, sondern auch in Traunreut. Der Vollblutunternehmer und Autoenthusiast Harald Friedrich habe eine simple Idee gehabt: „Er wollte einen Kleinwagen bauen, der günstiger war als ein Volkswagen." Mit der Kunststoffkarosserie, die beim Spatz in Einsatz gekommen sei, sollten die Produktionskosten gering gehalten werden. Das ersparte Gewicht habe zudem eine größere Leistung gebracht. Harald Friedrich habe auf Basis der vom Konstrukteur Egon Brütsch 1955 erworbenen Konstruktion durch den Tatra-Konstrukteur Professor Hans Ledwinka, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Alzmetall-Konstruktionsleiter eine serienreife Neukonstruktion des Spatz´ entwickeln lassen und in Traunreut die Spatz-Produktion aufgebaut. Von Anfang an sei eine Serienproduktion vorgesehen gewesen. Insgesamt seien 859 Spatz und danach 729 baugleiche Victoria 250, größtenteils in Traunreut von Februar 1956 bis Februar 1958 gebaut worden.

Mit kaufmännischem Geschick und Elan, unterstützt von einer motivierten Mannschaft, habe Harald Friedrich diesen seinen Traum in die Tat umsetzen können. „Eine außergewöhnliche Leistung", so Reich.

 

Heute beherbergt das Spatz-Gelände in der Fridtjof-Nansen-Straße das von Sohn Heiner Friedrich gestiftete Museum für Gegenwartskunst Das Maximum. Auf 4500 Quadratmeter Ausstellungsfläche werden große Werke internationaler Künstler wie Georg Baselitz, Dan Flavin, Maria Zerres oder Andy Warhol gezeigt.

 

Zur Ausstellungseröffnung hatte der Bürgermeister auch eine Zeitzeugin eingeladen. Die 89-jährige Cäzilia Ruby, die heute noch auf dem ehemaligen Alzmetall-Gelände wohnt, wo heute "DASMAXIMUM Kunst Gegenwart" steht, war damals Kantinenleiterin. Die betagte Dame kann sich noch bestens an den Werdegang des Spatz´ erinnern. „Ich war von der ersten Stunde an dabei", erzählte sie und fachsimpelte aus der Vergangenheit als wäre es erst gestern gewesen. Über ihre Fachkenntnisse von Konstruktion und Produktion staunten auch die Gäste, die sich um sie scharten und ihr angeregt zuhörten.

 

Informationen zur Fotoausstellung

 

Die Ausstellung befindet sich im ersten Stock des Rathauses der Stadt Traunreut (Altbau). Besichtigungszeiten der Ausstellung während der Öffnungszeiten des Rathauses:

Montag bis Freitag, 8.30 Uhr bis 12 Uhr, zusätzlich montags von 14 Uhr bis 16.30 Uhr und donnerstags von 14 Uhr bis 18 Uhr. Die Ausstellung läuft vorerst bis Mitte des Jahres 2019.

 

Text: Gabi Rasch, geändert in Teilen durch Sekretariat des Bürgermeisterbüros der Stadt Traunreut

Fotos: Gastager/Winkler

 


 

Grossansicht in neuem Fenster: Fotoausstellung SPATZ; BGM Klaus Ritter bedankt sich bei Michael Reich Grossansicht in neuem Fenster: Fotoausstellung SPATZ; Zeitzeugin Cäzilia Ruby Grossansicht in neuem Fenster: Fotoausstellung SPATZ; Roland Ilg, Geschäftsführer und Cäzilia Ruby im Gespräch

Bild li: Bgm Ritter bedankt sich bei Michael Reich mit einer Aufmerksamkeit für das Überlassen der Bilddateien.

Bild mi: Die 89-jährige Zeitzeugin Cäzilia Ruby war von der ersten Stunde an dabei und fachsimpelte aus der Vergangenheit.

Bild re: Roland Ilg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alzmetall GmbH und Cäzilia Ruby im Gespräch

 

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