Wer hätte das vor drei Wochen gedacht? Ein Konzert der Extraklasse der Musikschüler mit Orchester und Ensembles war zu Pfingsten noch nicht denkbar. Doch am letzten Freitag machten die Musikschüler das Unmögliche tatsächlich möglich.

Denn gleich mit der Erlaubnis des Gruppenunterrichts am 7. Juni starteten die Musikschullehrer ihre intensiven Proben. Und das Ergebnis überraschte sogar die Lehrer selbst: „Um in so kurzer Zeit ein künstlerisch so gutes Programm mit so vielen Schülern und Ensembles auf die Beine zu stellen, muss einfach alles passen“, so Musikschulleiter Josef Mayer. In der Tat: die Lehrer übten die meisten Konzertstücke natürlich bereits intensiv in der Online-Unterrichtsphase, viele bereits in den Wintermonaten. Die Stücke waren bei allen daher schon im Juni gut eingeübt, jetzt ging es darum, die Musiker in Gruppen und Ensembles innerhalb drei kurzer Wochen auf Höchstleistung zu bringen.
„Das war die die große Frage! Schaffen die Ensembles trotz der wenigen Proben so schnelle Fortschritte, damit sie alle sicher und souverän auftreten können“, schildert der Musikschulleiter die schwierige Vorbereitungszeit.

Schnell tauchten Terminkollisionen auf: Denn jeder Lehrer veranstaltet dazu sein eigenes Klassenkonzert und weitere Sonderkonzerte. Dazu sind noch mehr Proben notwendig. Eine extreme Termindichte ist die Folge: 21 Musikschulkonzerte in weniger als sechs Wochen sind geplant.

Einzigartiger Höhepunkt war das große Jahreskonzert, mit „fleißigen Anfängern“ und vor allem überragenden „großen Solisten“: Allen voran spielten Judith Roth und Tim Bosch. Beide wurden im Konzert für Ihre Leistungen von Ersten Bürgermeister der Stadt Traunreut Hans-Peter Dangschat, 3. Bürgermeister der Gemeinde Chieming Josef Mayer sowie dem Vorsitzenden des Elternbeirates Hans Jobst geehrt.
Judith Roth absolvierte in den Pfingstferien die höchstmögliche D3-Prüfung beim Blasmusikverband in Marktoberdorf und verlässt nun folglich die Musikschule. Bei ihrem letzten Konzert nach ihrer 7-jährigen Lernzeit spielte sie mit sagenhafter Sicherheit und Musikalität ein Solokonzert für Klarinette von Carl Stamitz, begleitet vom Streichorchester Capella Cantabile unter Alexander Krins.
Ebenso herausragend spielte Tim Bosch auf seiner Diatonischen. Er gewann beim bekannten Diatonischen-Wettbewerb im Salzburgischen Flachau einen „Sehr guten Preis“. Im Konzert spielte Tim den Barataria Marsch von Karl Komzak, natürlich auswendig, mit großem musikalischen Ausdruck, vielen dynamischen Nuancen und auch sehr fein gesetzten Tempounterschieden, ein Hörgenuss der Extraklasse.

Aber auch alle weiteren Schüler glänzten ausnahmslos mit beeindruckenden Auftritten: Bereits die Jeki-Gitarrengruppe von Brigitte Brüderl sorgte für Staunen: Nach wenigen Monaten Lernzeit (meist online) und mit wenigen Proben spielten sie den Tonleiter-Rag von Hans Brüderl souverän und einige Schülerinnen wirklich so entspannt, dass man dabei ein deutliches Schmunzeln im Gesicht erkennen konnte.
Sportlich waren die Cello- und Klavierschülerinnen von Viola Matthias unterwegs: sie spielten ein spezielles Arrangement von „Ein Loch ist im Eimer“ mit wechselnden Spielergruppen: acht Pianistinnen und drei Cellospieler.


In der Folge zeigten zwei Duos die Vorzüge von Diatonischer und Akkordeon: Die Brüder Moritz und Leon Graß spielten auf Akkordeon und Gitarre – wie ein kleines Orchester – mit sicherem Tempo und genauer Rhythmik die nicht so einfache Sternpolka. Danach spielten Maxi Bäuml und Letizia Ghimici eine Bravour-Polka, die sogar nach ihnen benannt wurde: Ihr Lehrer Hans Zunhammer komponierte dieses herausfordernde Stück und betitelte sie mit „Power Pack Polka“, da die beiden zusammen ein richtiges „Power Pack“ sind.
Zauberhafte Momente bereiteten die Musikschülerinnen von Klaus und Liese Danner auf Blockflöten und Gitarren. Das Chieminger Blockflötenensemble mit Lisa Lex, Paulina Schenk, Emilia Ewald und Julia Ewald zeigte Blockflötenmusik auf beachtlichem Niveau: sauber intoniert wechselten die komplexen Stimmen immer sicher zwischen dem langsamen und dem schnellen Teil, der sogar mit komplexen Triolenteilen versehen war – in jeder Stimme souverän gespielt.
Traumhaft spielten Emilia Ewald (Blockflöte) und Anna Mannhardt (Gitarre) ihr Green Island. Emilia verzierte die hohen Sopranmelodien extrem intonationssicher und mit feinfühliger Sicherheit, unterstützt von Annas runden sanften Gitarrenrhythmen
Impulsiver spielte der Chieminger Gitarrenspielkreis geleitet von Klaus Danner ihre Milonga Prima: der pulsierende Rhythmus der fünf Gitarren wurde durch das ohrwurmartigen Dur-Thema in der Mitte gebrochen, kam wieder zurück und wurde zum Ende immer stärker und schneller.
Mit der folgenden zart-feinen Klaviermusik „I giorni“ vom italienischen Filmkomponisten Ludovico Einaudi entführte Josef Mannhardt die Zuhörer zum Tagträumen. Eine wohlklingende Bassmelodie auf der wiederholt weiche Melodievarianten tänzelten und das Zeitempfinden verloren ging.
Das “Ensemble Allegro“ mit Denis Jafarov, Mona Braun, Anna Maria Thoman, Michelle Kling und unter der Leitung von Bertram Weihs spielte danach das Andante KV 617 von W.A. Mozart. Kein einfaches Werk, doch das Ensemble verstand es bestens, die führenden Melodiestimmen mit großer Klarheit herauszuarbeiten, Betonungen und dynamische Schwerpunkte gekonnt zu setzen, sodass auch diese sehr komplexe Musik wieder einfach wurde und typisch “nach Mozart” klang! Bravo!
Die Harfenisten Lilly Rücker zeigte danach ihr hohes Niveau auf der Einfachpedalharfe. In ihrer Sonate von J.F. Nadermann wusste sie bereits im freien Intro mit gekonnter Melodieführung zu überzeugen. Jede nachfolgende Melodie spielte sie klar begleitet von den vielen Akkordzerlegungen der linken Hand, während im 2. Teil sich beide Hände völlig gleichberechtigt die Melodie teilten, und im 3. Teil die obere rechte Hand wieder „das Sagen hatte“. Immer jedoch musizierte sie jede einzelne Teilmelodie wunderbar aus, sodass jede Note und jede Melodie logisch aufeinander folgen musste. Ein weiterer Höhepunkt im Konzert!
Die vielseitige Keira Sasuchin hatte im Konzert gleich 3 Auftritte: als Solistin spielte sie den mitreißenden Tango Revirado von Astor Piazolla: Beginnend mit einem wilden rhythmischen synkopierten Teil wechselte sie gekonnt in den entspannten Mittelteil zurück, die Tempi immer richtig gewählt mit wunderbaren sanften Übergängen. Im Weltmusikensemble spielte sie dann mit David Romanu, Klara Schuhböck, Tobias Schuster und unter der Leitung von Sigrid Gerlach den Chanson „Sous le Ciel de Paris“. Die Ohrwurmmelodien von Violinen und Akkordeon wurde dabei von herabgleitenden Begleitmelodien zauberhaft unterstütz, der typisch flirrende französische Chanson-Klang schwebte durch den Saal und die Zuhörer befanden sich bildlich auf den großen Boulevards von Paris.
Auf dem Saxofon spielte Keira anschließend im sechsköpfigen Saxofonensemble den „Corona Distance Funk“. Dieses Stück hatten die Saxofonisten bereits im Corona-Winter intensiv geübt und auf Video aufgenommen. Jetzt erfolgte die Live-Premiere mit treibenden Bassrhythmen und fliegenden Melodie-Duetten, die sich ständig abwechselten.
Der Akkordeonist David Romanu spielte den berühmten Walzer Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch und zeigte hier seine enorme Virtuosität und Musikalität: Mit Temposicherheit, Melodieführung und großartige Technik flogen seine Finger über die Tasten, ein kleines aber virtuoses Orchester mit 2 Händen!
Das Traunwalchner Blechbläserensemble unter der Leitung von Manfred Berger verabschiedete die Zuhörer mit „America the Beautiful“, Hymne und Volkslied zugleich. Passend mit diesem klangmächtigen Stück zum Finale spielten die Musikschüler und Musiklehrer ein Konzert der Sonderklasse. Musik von jungen und ausschließlich einheimischen Künstlern auf so hohem Niveau ist in dieser Bandbreite wohl nirgendwo sonst zu hören!