Erster Bürgermeister der Stadt Traunreut, Hans-Peter Dangschat: „Im Rahmen dieser Ausstellung wird die besondere Geschichte unserer noch jungen Heimatstadt sehr anschaulich und faszinierend dargestellt. Hierzu lade ich alle Traunreuterinnen und Traunreuter herzlich ein. Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Johannes Danner, Heimatpfleger und langjähriges Stadtratsmitglied von Traunreut, für sein großes Engagement mit dem er diese Ausstellung ins Leben gerufen und vorbereitet hat.“

Den Besucher erwartet ein interessanter Rundgang durch sechs Stationen, die markante Perioden der Stadtgeschichte mit Fotos und Ausstellungsstücken aus dem Traunreuter Museumsdepot dokumentieren.

Die erste Station veranschaulicht die Vorgeschichte ab 1938, als mit der Gründung der „Heeresmunitionsanstalt St. Georgen“ die Grundlage für Traunreut gelegt wurde. Die ca. 250 Hektar große Anlage diente der Fertigung von Artilleriegeschossen und der Befüllung und Lagerung von, mit chemischen Kampfstoffen befüllten, Granaten. Im Mai 1945 wurde die Anlage von amerikanischen Truppen übernommen, die in den folgenden zwei Jahren mit der Vernichtung der Kampfstoffe und der anschließenden Sprengung der Bunkeranlagen beschäftigt waren. Nach Abzug der Amerikaner nutzten Flüchtlinge und Heimatvertriebene die Anlage, um sich dort eine neue Heimat zu schaffen. Arbeit fanden sie in den Betrieben, die in den alten Munagebäuden einen Neuanfang wagten. Bekannte Namen waren darunter, wie z.B. Siemens oder Heidenhain, aber auch viele kleine Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Neben Bildern aus jener Zeit wird auch ein originaler Schutzanzug gezeigt, der bei der gefährlichen Vernichtung der chemischen Kampfstoffe getragen wurde.

Die zweite Abteilung widmet sich der Periode zwischen 1950 und 1960. Nach der Gemeindegründung am 1. Oktober 1950 entstand im St. Georgen Forst eine moderne Musterstadt für ca. 8.000 Menschen. Die ausgestellten Bilder zeigen neben den Wohnungen, die damals entstanden, auch die öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Schulen und Geschäfte sowie die neu gestaltete Stadtmitte, mit den beiden modernen Kirchenbauten von 1954. Einrichtungsgegenstände sowie die Ausstattung eines Frisörgeschäfts der 1950er Jahre geben einen Einblick in die Verbesserung der Wohn- und Dienstleistungssituation jener Zeit, die in die deutsche Geschichte als „Wirtschaftswunderzeit“ einging.

Die dritte Station beginnt mit der Erhebung der Gemeinde zur Stadt am 1. Oktober 1960 und umfasst die Zeit bis 1978. In diesen Jahren erlebte die Stadt ein enormes Anwachsen der Einwohnerzahl. Lebten 1960 in Traunreut noch 5848 Personen, so wurde bereits 1966 die Marke von 10.000 Einwohnern überschritten. Hintergrund der Zuwanderung war der wachsende Bedarf an Arbeitskräften in der Traunreuter Industrie. Arbeiter wurden damals in ganz Europa angeworben, so dass Gastarbeiter aus Italien, dem damaligen Jugoslawien und aus Griechenland kamen und ihre Kultur mitbrachten. In jenen Jahren stieg auch der Wohlstand der Menschen merklich an. Die Bilder zeigen den erneuten Wandel der Stadt und ihre Erweiterung durch die neuen Stadtteile im Norden (Traunreut Nord-Ost) und im Süden (Traunsteiner Wald), gekennzeichnet von damals modischen Flachdachhäusern. Haushaltsgeräte aus dem Traunreuter Siemenswerk und die nun in jedem Haushalt stehende Unterhaltungselektronik zeigen zudem den Wandel im alltäglichen Leben.

Die vierte Abteilung bestimmt die Gebietsreform des Jahres 1978 bis zum Jahr 2002. Mit der Eingemeindung der alten Kommunen Pierling, Stein a.d. Traun und Traunwalchen entwickelte sich Traunreut von einer kleinen Stadtgemeinde mit damals ca. 400 Ha. zu einer Flächengemeinde mit ca. 4.500 Ha.  Gleichzeitig hatte die Stadt neue, bisher unbekannte Aufgaben zu übernehmen, wie z.B. den Umgang mit der jahrhundertealten Historie der umliegenden Dörfer und der dort vorhandenen alten Bausubstanz, die Belange der Land- und Forstwirte im Umland oder auch den immer wichtiger werdenden Umweltschutz. Der Bau einer neuen Kläranlage sowie die Erneuerung und Erweiterung des Kanalnetzes waren in den 1980er Jahren die zentralen Themen Traunreuts. Eine weitere Herausforderung war die ab Mitte der 1980er Jahre ansteigende Anzahl an Zuwanderern, die hier eine neue Heimat suchten und für die neue Unterkünfte geschaffen werden mussten. Gleichzeitig zeigte es sich, dass Vieles aus der Anfangszeit der Stadt sanierungsbedürftig wurde und den modernen Anforderungen angepasst werden musste. So wurden in den 1980er und 1990er Jahren die städtischen Schulen neu gebaut oder generalsaniert, eine Rathauserweiterung erfolgte 1984 und die Errichtung einer Fußgängerzone am Rathausplatz 1980. Fotografien erinnern an diese, für die Stadt sehr bewegte Zeit. Auch der Wandel im Handel ist mit Bildern dokumentiert, schließlich entstanden in den 1990er Jahren viele Einkaufszentren und Großmärkte, die den Ruf Traunreuts als attraktive Einkaufsstadt begründeten.

Die Station fünf deckt den Zeitraum zwischen 2002 und 2020 ab. Traunreut muss in jenen Jahren auf einen starken sozialen Wandel reagieren. Zum einen hat die Stadt 2002 mit über 22.000 Einwohnern seinen bisherigen Höchststand erreicht. Nun nimmt die Einwohnerzahl, bedingt durch den demographischen Wandel, kontinuierlich ab. Auszubildende, die bisher noch in genügender Zahl zu finden waren, werden immer weniger. Dies führt zu Problemen bei der Besetzung der Ausbildungsstellen bei den Betrieben, die in jenen Jahren ein starkes Wachstum zu verzeichnen haben. Als Ersatz für die immer höher werdende Zahl an Menschen, die in Altersruhestand gehen, nimmt ab den 2010er Jahren die Zahl von Arbeitern mit ausländischer Staatsbürgerschaft zu (Arbeitsmigranten). Zudem wird die Betreuung und Erziehung der Kinder vermehrt in die Hand der Stadt gegeben, was zu einem hohen Bedarf an neuen Kindertagesstätten und Betreuungsangeboten (Ganztagesschule, Mittagsbetreuung) führt. Auch von den weltpolitischen Themen bleibt Traunreut wieder einmal nicht verschont. Die Flüchtlingswelle des Jahres 2015 führt Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten in Afghanistan, Syrien und verschiedenen afrikanischen Staaten auf der Suche nach Asyl in die Stadt. Neben den sozialen Herausforderungen wird aber auch der bauliche Erhalt der Straßen und öffentlichen Gebäude zu einer immer größeren Herausforderung. Der alte Stadtsaal „Hofbräuhaus“ wurde durch das modern Kultur- und Veranstaltungszentrum k1 ersetzt. In der Innenstadt wurde mit der Umsetzung eines umfangreichen Sanierungsplans begonnen, der Umbau des Rathausplatzes war hier die erste große Baumaßnahme. Dorferneuerungen in Traunwalchen und St. Georgen konnten in jener Zeit zum Abschluss gebracht werden.

An der letzten Station geht es um die Zukunft Traunreuts, die im positiven Sinn als „große Baustelle“ verstanden werden kann.  Der Besucher der Ausstellung ist zum Schluss aufgefordert, seine Ideen und Vorstellungen, wie es mit der „Baustelle Traunreut“ weiter gehen könnte, mitzuteilen, denn fertig ist das gemeinsame „Haus Traunreut“ noch lange nicht.

2. – 16. Oktober 2020 im Heimathaus Traunreut

geöffnet täglich von 15 – 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bereits ab 13 Uhr;

am 03. + 10. Oktober jeweils ab 17 Uhr Filmvorführung historische Traunreut-Filme;

Führungen durch die Ausstellung nach Voranmeldung unter
Tel. 08669/ 788 678, wochentags 08.30 bis 13.00 Uhr möglich.

Ausstellungsflyer zum Download